09. November 2006

unsere zeit – Zeitung der DKP vom 3. November 2006

Wir nehmen Abschied von Peter Gingold

Am 29. Oktober verstarb der bekannte Antifaschist und Kommunist Peter Gingold in Frankfurt/Main.

Die DKP hat einen Freund und Genossen verloren, der stets auch Vorbild war, dessen Biografie Ermutigung war, auch in schwersten Zeiten zu kämpfen. Sein Vermächtnis muss gewahrt bleiben.

Der Präsident der F.I.R., Ulrich Schneider, verweist darauf: "Doch während Peter für seine antifaschistische Arbeit in Frankreich und Italien geehrt wurde, erlebte er in Deutschland lange Jahre gesellschaftlicher Ausgrenzung. Als Widerstandskämpfer und Kommunist wurden ihm und seiner Frau viele Jahre die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert. Im Gefolge des KPD-Verbots musste Peter zeitweilig wieder in die Illegalität gehen. Später musste er erleben, wie man seine Tochter Sylvia wegen ihrer politischen Überzeugung mit Berufsverbot belegte.".

Für die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend erinnert Michael Grüß auf das Auftreten von Peter Gingold im SDAJ-Pfingstcamp 2006, wo er erklärte, dass er auf eine Jugend setze, die Ungerechtigkeiten nicht hinnimmt, die höllisch wachsam ist gegen jede braune Barbarei, die nicht wegsieht und sich Faschisten und Kriegstreibern entgegenstellt.



Peter Gingold ist verstorben

Der in Aschaffenburg geborene Kommunist und Antifaschist Peter Gingold starb am 29. Oktober 2006 in Frankfurt/Main. Peter war jüdischer Herkunft. Er und andere aus seiner Familie haben gegen den Faschismus gekämpft - immer mit dem Ziel, nach der Überwindung des Faschismus ein neues, ein besseres, ein sozialistisches Deutschland aufzubauen.

Seinen 90. Geburtstag konnte Peter in diesem Jahr mit Genossinnen und Genossen, Kampfgefährten, Kollegen und Freunden feiern. Beeindruckend war die Würdigung durch seine Brüder.

Peter Gingold sah in den letzten Jahrzehnten seine Hauptaufgabe darin, vor allem der jungen Generation seine Lebenserfahrungen zu vermitteln und sie zu motivieren, überall wo nötig gegen Faschismus und Neonazismus aufzutreten. Auf zahllosen Demonstrationen und Aktionen forderte er immer wieder: "Keinen Fußbreit den Faschisten! Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!"

Peter verlangte immer wieder, dass die heutige Generation sich antifaschistisch engagiert. Er gehörte zu jenen, die unermüdlich über die Verbrechen des Faschismus aufklärten. Und er überzeugte viele junge Leute, gegen Faschismus und Krieg aktiv zu werden. Anderen gab er die Kraft, nicht zu resignieren.

Peter entlarvte zugleich die "große Koalition" der bürgerlichen Parteien, von CDU/CSU, der FDP, der SPD und der Grünen, die für die faktische Abschaffung des Asylrechts Verantwortung tragen, die das NPD-Verbot verhinderten und in der öffentlichen Darstellung die Geschichte des Faschismus und seine Ursachen verharmlosen oder verfälschen, für die Antikommunismus bis heute wichtiger ist als die grundlegende Auseinandersetzung mit dem Faschismus und seinen Ursachen.

Peter kämpfte sein Leben lang als Kommunist aus tiefster Überzeugung für eine sozialistische Zukunft. Er und seine Frau Ettie gehörten zu den Kommunistinnen und Kommunisten, die nach der Befreiung 1945 begannen, den geistigen und materiellen Schutt zu beseitigen. Es bleibt eine Schande für Bundesrepublik Deutschland, dass die Familie Gingold für die Staatsbürgerschaft lange Jahre kämpfen musste und ihrer Tochter Sylvia durch Berufsverbot zunächst die Beschäftigung als Lehrerin verweigert wurde. Auszeichnungen erhielt Peter hingegen in Frankreich und Spanien - in seiner Heimat wurde er als Kommunist verfolgt.

Peter Gingold war sein Leben lang Internationalist. Besonders in den letzten Jahren engagierte er sich für die Solidarität mit dem sozialistischen Kuba, für die Befreiung der in den USA widerrechtlich eingekerkerten fünf Patrioten Kubas. Während eines Aufenthaltes in Kuba war zu spüren, mit welcher Begeisterung er die Entwicklung Kubas unterstützte.

Noch am 7. Oktober engagierte sich Peter während einer Veranstaltung für die Aufhebung des KPD-Verbotes und für die Rehabilitierung der Opfer des kalten Krieges in Frankfurt/Main.

Die DKP verliert mit Peter Gingold einen Genossen, den seine Bescheidenheit auszeichnete und der diese Partei mitgeprägt hat. Es wird schwer sein, sein Vermächtnis zu wahren. Wir trauern mit den Töchtern Alice und Sylvia und ihren Familien. Wir haben einen Freund und Genossen verloren, der stets auch Vorbild war, dessen Biografie Ermutigung war, auch in schwersten Zeiten zu kämpfen.

Sein, und das Vermächtnis vieler Genossinnen und Genossen, die gegen Faschismus und Krieg kämpften, die für Wiederaufbau der KPD nach 1945 standen, die auch in der Zeit des KPD-Verbots in den Jahren 1956-1968 aktiv waren und 1968 die DKP konstituierten und nach der Niederlage des Sozialismus in Europa weiterkämpften, muss gewahrt bleiben.

Sozialismus oder Barbarei - diese Losung Rosa Luxemburgs bleibt eine aktuelle Aufgabe. Wir werden in seinem Sinne weiterkämpfen.

Heinz Stehr
Vorsitzender der DKP

Nina Hager
stellvertretende Vorsitzende der DKP

Rolf Priemer
stellvertretender Vorsitzender der DKP, Chefredakteur UZ